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Tischtennis:
(Deutscher Tischtennis-Bund e.V.)

2:3 - Der Champion unterliegt Jülich im Tischtennis-Krimi

 
Nach dem 2:3 im tollen Pokalfight gegen Tabellenführer Frickenhausen/Würzburg am Mittwoch rochen die Jülicher diesmal nicht nur an der Sensation, sondern triumphierten am Ende in einer rassigen, hochdramatischen DTTL-Partie, in der man schließlich verdientermaßen die Gratulation des hochkarätigen Gegners entgegennehmen durfte. Düsseldorf ohne Timo Boll ist allerdings noch ein gutes Stück von der Verfassung entfernt, die das Team mit dem in den letzten Wochen überragenden Weltranglistenfünften regelmäßig zeigt. Zweimal waren die Herzogstädter in der "Höhle des Löwen" in Führung gegangen, doch der Rekordmeister schlug immer wieder zurück, so dass sämtliche Borussia-Fans auf den gut gefüllten Tribünen damit rechneten, Christian Süß und Marcos Freitas (Foto unten) würden im Doppel den "Sack zumachen" und gegen die "jungfräuliche" Kombination Taku Takakiwa / Paul Drinkhall - nie zuvor hatten die jungen Jülicher zusammen am Tisch gestanden - den Matchpoint für den Favoriten einfahren. Doch es kam ganz anders, im fünften Satz bewies das Gäste-Duo den längeren Atem und schockierte den Meisterschaftsfavoriten beim 11:6, 9:11, 5:11, 11:8, 11:8.
Die Partie hatte bereits mit einer Überraschung begonnen: das erste Einzel zwischen Dimitrij Ovtcharov und Taku Takakiwa entschied der Japaner im Jülicher Dress, der "Dima" vom gemeinsamen Training im DTTZ gut kennt, mit 12:10 im fünften Durchgang zu seinen Gunsten - den zweiten Satz hatte der 20-jährige Düsseldorfer übrigens mit rekordverdächtigen 23:21 gewonnen und damit zunächst mit 2:0 in Front gelegen. Christian Süß konnte gegen Jörg Roßkopf zum 1:1-Pausenstand ausgleichen - nur im ersten Satz hatte "Mister Tischtennis" die Nase vorne gehabt. Doch die Herzogstädter kamen frischer aus der Pause zurück: Paul Drinkhall (Foto) gab Marcos Freitas in drei Sätzen das Nachsehen. Dimitrij Ovtcharov behielt die Nerven und glich gegen "Rossi" zum 2:2 aus - erneut konnte der routinierte Jülicher lediglich den ersten Durchgang gewinnen. Nun musste das Doppel entscheiden, ob es ein Arbeitssieg oder eine Sensation werden würde - und das Schicksal entschied sich für die Sensation, natürlich nur aufgrund der tollen taktischen und kämpferischen Leistung der Jülicher.
Stimmen zum Spiel
Andreas Preuß (Manager Düsseldorf): "Wir sind bitter enttäuscht. Jülich hat zwar bei den Duellen vor wenigen Tagen gegen Frickenhausen gezeigt, dass sie gut in Form sind. Dennoch dürfen wir das Match heute nicht verlieren. Möglichkeiten waren genügend da, um zu gewinnen und in der Tabelle den Vorsprung auf die Verfolger auszubauen und an Frickenhausen dran zu bleiben."
Dirk Wagner (Trainer Düsseldorf): "Wer so viele Chancen auslässt, kann sich nicht beschweren, wenn der Gegner als Sieger die Halle verlässt."
Dimitrij Ovtcharov (Düsseldorf): "Ich kann es nicht fassen, dass ich das Spiel gegen Taku Takakiwa verloren habe. Nachdem ich den zweiten Satz gewonnen hatte, spielte Taku ohne taktisches Konzept weiter und traf plötzlich jeden Ball."
Johannes Dimmig (Trainer Jülich): "Ich will jetzt nicht gleich behaupten, dass wir die bessere Mannschaft waren, aber wir haben schon sehr stark gespielt. Zudem bin ich sehr froh, dass gerade die Jüngeren unsere drei Punkte geholt haben. Das sehe ich als ein Zeichen für die Zukunft, vielleicht sogar als eine Vision in Richtung der Play-Offs, in die natürlich viele andere Klubs auch wollen. Optimismus ist nun weiterhin gefragt, der Kampf um den Klassenerhalt dürfte kein Thema mehr für uns sein."
Ralf Düren (Teamgeschäftsführer Jülich): "Das war einfach überragender Sport mit Riesenballwechseln vor einem Super-Publikum - heute hat alles gepasst. Man hat gesehen, welches Potenzial in unserer Mannschaft steckt. Unser primäres Ziel, nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben, dürfte nun fast erreicht sein. Wenn wir uns am Ende tatsächlich in den Play-Offs wiederfinden würden, wäre uns das jedenfalls nicht peinlich. Wir haben uns heute sehr stark präsentiert, unsere Leistung gegen Frickenhausen im Pokal war aber wohl noch einen Tick besser."
Paul Drinkhall (Jülich): "Ich habe mir vorher natürlich gedacht, dass es sehr, sehr schwierig für uns werden würde wegen der starken Spieler im Team von Düsseldorf. Sehr wichtig für uns war natürlich der Sieg von Taku gegen Dimitrij. Er kennt ihn gut vom gemeinsamen Training und weiß, wie er seine Aufschläge annehmen muss, es war aber trotzdem sehr schwer für ihn, weil auch Dima stark gekämpft hat. Ich selbst hatte noch nie gegen Marcos gewonnen, das war mein erstes Mal heute. Sonst wollte ich gegen ihn immer schnell die Punkte machen und war zu hastig, heute war ich geduldiger. Ich habe auf meine Chance gewartet und diese dann auch beim Schopf gepackt. Das war sicher mein bestes Match bisher in dieser Saison. Das Doppel war für mich wie ein kleines Wunder. Taku und ich hatten noch nie zusammen Doppel gespielt, nicht mal im Training. Wir wussten am Anfang gar nicht, wie wir spielen und wie wir uns am am besten stellen sollten. Deshalb hatten wir uns einfach nur vorgenommen, zu kämpfen und nie aufzugeben."


Original-Pressemitteilung
Artikel vom 10.11.2008, 09:29 Uhr

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