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Tischtennis:
(Deutscher Tischtennis-Bund e.V.)

Boll fordert im Halbfinale den Weltmeister und Olympiasieger

 
Düsseldorf. Beim LIEBHERR Men's World Cup in Düsseldorf stehen die Halbfinalisten fest. Am Sonntag kämpfen Timo Boll und Zhang Jike sowie Ma Long und Jun Mizutani um den Einzug in das Endspiel des mit 150.000 US-Dollar dotierten Turniers. Im deutschen Viertelfinal-Duell behielt Timo Boll nach zuletzt mehreren Niederlagen bei wichtigen Events gegen Kumpel Dimitrij Ovtcharov klar mit 4:0 die Oberhand.

Timo Boll zehn, Dimitrij Ovtcharov sieben. So hatte die Bilanz im direkten Vergleich der Nationalteamkollegen vor dem Match am Samstagabend im ISS DOME gelautet. Doch in den vergangenen beiden Jahren war Ovtcharov bei den großen stets einen Tick besser: bei World Cup und German Open 2013 sowie Europe Cup und Deutschen Meisterschaften in diesem Jahr.

Diesmal konnte der Düsseldorfer Boll wieder triumphieren – und das überraschend deutlich ohne Satzverlust. „Timo hat verdient gewonnen und war heute viel besser. Ich suche noch ein bisschen meine Form nach der langen China-Zeit, nach der Zahn-OP und den ganzen Rückschlägen, die ich hatte in den letzten Wochen. Da muss man einfach gegen Topspieler wie Timo die bessere Leistung liefern. Das konnte ich heute nicht schaffen. Aber mit hartem Training in nächster Zeit werde ich wieder gestärkt hervorgehen“, sagte Ovtcharov. Der Weltranglistenfünfte war vor 4000 Zuschauern im ISS DOME nominell als Favorit in die Viertelfinalpartie gegangen. „Man kann nicht hundertmal gegen Timo gewinnen. Ich hatte eine gute Serie, die ist heute gerissen, jetzt versuche ich eine neue Serie zu starten“, betonte der 26-Jährige, der sich im Achtelfinale gegen Borussen-Spieler Kamal Achanta (Indien) hauchdünn in sieben Sätzen durchgesetzt hatte.

Boll im Halbfinale gegen seinen Teamkollegen aus der Chinese Super League
Nach dem 4:1-Achtelfinalerfolg über Adrien Mattenet aus Frankreich nahm Timo Boll den Schwung mit in das Duell gegen Kumpel Ovtcharov. „Ich hatte während des Spiels immer Angst, dass Dima zurückkommt. Er ist ein Kämpfer, glaubt immer daran, dass er noch gewinnen kann. Gerade in einer Phase, in der man hoch führt, ist er gefährlich, weil er dann viel mehr riskiert. Darüber bin ich aber gut hinweggekommen. Es war eher das Gegenteil der Fall, dass er am Ende etwas resigniert hat“, kommentierte Boll das glatte 4:0.

Im Halbfinale wartet am Sonntag (12.15 Uhr) kein Geringerer als der amtierende Einzel-Olympiasieger und -Weltmeister Zhang Jike aus China. „Ich hoffe, dass ich so ein gutes Feeling habe wie heute. Es hängt auch ein bisschen von Zhang Jike ab. Er ist vielleicht der Spieler, der das größte Potential von allen hat, aber er hat auch mal Tage, wo es nicht so gut läuft, wo er sich nicht so quälen kann. Leider sind die Jungs, vor allen die Chinesen, immer heiß gegen mich. Da wollen sie sich keine Blöße geben. Für Zhang Jike ist es ein wichtiges Spiel – auch im Hinblick auf Olympia. Der Cheftrainer Liu Guoliang sitzt auf der Tribüne und wird ganz genau hingucken“, sagte der Rekord-Europameister.

In der Chinese Super League waren die Halbfinal-Gegner im Sommer noch Teamkollegen, trainierten und spielten für Shandong Luneng und holten die Mannschaftsmeisterschaft in China. Timo Bolls Bilanz gegen Zhang Jike ist mit 4:7 negativ, allerdings hat er die letzten beiden Partien für sich entschieden – in der chinesischen Superliga 2013, als beide für gegnerische Klubs spielten, und im Olympia-Team-Halbfinale von London 2012. Dimitrij Ovtcharov sieht durchaus eine Chance für den Düsseldorfer. „Timo spielt stark zurzeit, Zhang Jike nicht so gut, das Finale ist für Timo möglich. Aber insgesamt scheint Ma Long schon das Maß aller Dinge hier zu sein“, so der Deutsche Meister Ovtcharov.

Das zweite Halbfinale bestreiten der beim World Cup topgesetzte Ma Long (China) und der Japanr Jun Mizutani. Der World-Cup-Sieger von 2012, Ma Long, hatte sich im Viertelfinale gegen den portugiesischen Team-Europameister Tiago Apolonia in vier Sätzen behauptet. Mizutani bezwang nach verlorenem ersten Satz den Olympia-Vierten Chuang Chih-Yuan aus Taiwan klar mit 4:1. Der direkte Vergleich spricht am Sonntag klar für Ma Long. Mizutani hat nie ein Spiel gegen Ma Long gewinnen können. Zumindest nicht in den bisherigen 13 Anläufen seit der Jugend-WM 2004.

Nigerianer spielt sich in die Herzen des Publikums

Erst der Weltmeister und Olympiasieger hat den Siegeszug des Überraschungs-Viertelfinalisten Quadri Aruna in Düsseldorf gestoppt. Dazu musste Zhang Jike am Samstag aber Schwerstarbeit verrichten. In sechs Sätzen setzte sich der Favorit gegen den Weltranglisten-73. und gegen das Publikum im ISS DOME durch. Spätestens nach dem Achtelfinal-Erfolg über den Weltranglisten-16. Tang Peng (Hongkong) hatten die Zuschauer Aruna in ihr Herz geschlossen. "Aruna, Aruna"-Rufe schallten am Abend durch die Arena, vor, während und auch nach der Partie gegen Zhang Jike. "Gegen Zhang Jike zu spielen war eine große Ehre für mich“, betonte der Nigerianer. Bereits am Vortag hatte sich der Olympia-Teilnehmer von London 2012 mit überraschenden Erfolgen über die deutlich höher eingestuften Kenta Matsudaira (Japan) und Alexander Shibaev (Russland) für die Hauptrunde qualifiziert und für Aufsehen gesorgt „Ich habe überhaupt nicht damit gerechnet, am Samstag bei den Topstars dabei zu sein. Das war großartig", sagte Aruna, der viele Autogrammwünsche zu erfüllen hatte.


Original-Pressemitteilung
Artikel vom 29.10.2014, 13:02 Uhr

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